Sonntag, 4. Oktober 2026

In meinen Himmel kommst du nur mit einem roten Seidenhut

 

In meinen Himmel kommst du nur mit einem roten Seidenhut.

Mit Gitarrensoli von Prince impfe ich mich gegen den Tag.


Eine versucht, den zerborstenen Glasmond zu kitten, doch der will nicht mehr.

Der Dichter sitzt im Ascheregen, den Füller fest in der Hand.


Ein Verwandter ist in Japan und schickt Bilder übers Netz.

Nach zwölf Stunden Flug könntest du mich begraben,

brauchst also gar nicht erst fragen, Bienenkönigin,

da nützen auch Schönheit und Liebe nichts mehr.


Die singenden Zeilen aus der Popwelt entblößen sich zunehmend.

Warum nicht gleich die Bühne als Rammelbrett?

Wo blieben all die Apfelbäume? Rosenbüsche? Weidenkätzchen?

Novemberregen? Hand-in-Hände? Tränentrinken?


Auf der sozialen Plattform Bluefriedchicken werfe auch ich die Netze aus –

welche, wofür? Vielleicht für fünf Herzchen unter der Zeile

In meinen Himmel kommst du nur mit einem roten Seidenhut.

Und zack! Und jetzt? Ein gutes Gefühl? Wie lange?


Es ist Herbst und die Gefühle verschleiern sich mit Dunst.

Wenn da mal nicht der korrupte Frühling dahintersteckt.

Gut, wirf mir vor, ich schaue zu viel Kriminales. Doch

bedenke: das Gute siegt meist mit Handschellen.


Traue deinem Vertrauen nicht! Es gehört in den Topf

der Illusionen, in dem auch schon die Hoffnung harrt,

an deren Tropf es sich kommod verdursten lässt.

Sei wachsam! Und zieh dir den roten Seidenhut auf!


Genug geratschlagt. Der Text ist müde.




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(Oktober 2026/TL)






Freitag, 2. Oktober 2026

herbstgedicht

 

herbstgedicht


in einem herbstgedicht sollte das wort herbst vorkommen. somit abhaken. es ist 2016 und der herbst verlangt von mir: «schreib mich in ein gedicht!» ich erschrecke ob seiner stil­len stimmgewalt, antworte nicht gleich, wie ich ueberhaupt auf affektive attacken gegen mich nie mehr nicht gleich antworte. erstmal den raum verlassen, durchatmen, nachden­ken, den see wieder glatt werden lassen.


lieber herbst, bei mir ist das so: ich habe eigentlich inzwischen gar keinen großartigen trieb mehr, ueberhaupt ueber etwas zu schreiben. das schreiben haelt mich vom unmit­telbaren erleben ab. außerdem sind meine gedanken und assoziationen zu schnell fuer die schrift; maximal 5 % der entsprechenden gemengelage lassen sich einfangen mit dem lahmen fingerfilter. der rest verpufft eh. warum also nicht alles einfach verpuffen lassen, was vermeintlich nach festgehaltenwerden schreit? ja, da guckst du. da kannst du mir deine lichtlosigkeit, deine ahornblaetter bunt, deine melatonin-verschlafene novem­bermorgenhaftigkeit, deine schrumpfende liebe in den sinkenden temperaturen, deine intellektuellen argumente wie rilke hoelderlin heine bachmann, dein beschraenktes re­pertoire genannt melancholie sehnsucht regennasse straßen oranges laternenlicht buch-vor-kamin-in-fußwaermern noch so um die ohren schlagen. lass es doch einfach. ich bin immun.


nein. dieses jahr schreibe ich dir nichts. zisch ab!




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In meinen Himmel kommst du nur mit einem roten Seidenhut

  In meinen Himmel kommst du nur mit einem roten Seidenhut . Mit Gitarrensoli von Prince impfe ich mich gegen den Tag. Eine versucht, de...