Sonntag, 30. August 2026

Herbst, o, Herbst - vorläufige Version vom 7.9.2026

Herbst, o, Herbst,

du dickbauchige Weintraube,

du Zwetschgenkuchen mit Handschlagsahne,

blase durch die Föhren deine Wehmutslieder!,

mach mich abschiedlich!,

schnür mir die Wanderstiefel!


Das-mit-dem-Laub musst du

dieses Jahr nicht machen.

Trocken hat der Sommer es schon verheizt.

Lass Asche regnen auf die Stoppelfelder

und rationiere das Brot, damit auch

die Letzten erkennen: es wird,

auch aus dir, Herbst, niemals mehr

der alte Regenmantel.

Sonntag, 23. August 2026

Der Komödiant

Wer glaubt mir, Komödiant, die Schmerztränen?

Wer will von mir, dem Zarten, die harten Stellen?

Wer wünscht in sex & crime die Poesie des Vollmonds?

Wer erträgt die Blüten im zerbombten Wohnviertel?

Wer nimmt dem blendenden Businessmann die Armut ab? Das Leid?

Wer will das Gedicht als Geschichte, die Geschichte ungereimt?

Und wo sind die, die den Text vom Realmensch trennen können,

wenn er ich schreibt?


Ich ohne mich meine: was soll das denn?

Und was ist das hier?


«Gefällt dir das Bild?»

«Wer hat es gemalt?»

«Gefällt dir das Bild?»

«Schon, aber … wer …»

«Du hast verloren.»


Wer nimmt mir, Komödiant, die ungeklärten Tränen ab?

Wer will sie haben?


Ich schenke sie dir.

Donnerstag, 6. August 2026

Hitzesommer und kein Ende in Sicht

und ins Schattensperrige kam mit den Motten das Geflügel.

Angst hatte bei vierzig Grad, wer allein war und wessen Saldo rot.

Die Bäderbetreiberi frohlockten: der Hitzesommer schob Insolvenzen für eine Weile auf.

Darf ich dir etwas Schnee in den Schädel klistieren?


Hitzetote. Brände weltweit. Wasser soll teuer verkauft werden,

vermutlich mit Leben zu bezahlen.

Die arbeitende Bevölkerung schläft nachts schlecht und muss dennoch ran.

Es ist ein Märchen, dass irgendjemand nicht arbeitet; jedes irgendwas irgendwie.

So lange werde ich von diesem scheiß Sommer schreiben, bis der Herbst,

oder etwas Artverwandtes – ein Tief? –, mich wohltemperiert erlöst.


Es ist kein Denken in der Buttermatschbrühe. Es ist kein Lieben im

Schweiß der Angesichter. Gelacht wird vor Klimageräten

oder im schattigen Wald. Aber bist du schon mal, geneigtes Leseres,

den lieben langen Tag lang im Wald umher? Alles hat Grenzen.


Wundere dich nicht, wenn eines meiner kommenden Bücher

ein Sommerhassbuch wird, mit Texten, die alle dasselbe sagen.

Die Hitze macht mich fertig und irgendwo muss ich hin damit.

Die viel Zitierten da oben sind nicht klimaaffin genug. Leider ist


der Kapitalismus = Konsumgier noch lange nicht tot. Solange Öl

Gas Kohle (x 2) Religion Krieg Macht regieren, wird das wohl nichts

mit dem klimatisierten Weltfrieden.


Boten mit schlechten Nachrichten killte man schon immer gerne.


Kaffee Kuchen Karaoke

Hauptsache den Rhein gekreuzt

unter uns: sind ja noch vierzig Zentimenter Platz

wenn wir auflaufen, sehen wir weiter

das Büffet ist eröffnet.


...


Und schon droht erneut die Sonne mit Aufgang.

Samstag, 1. August 2026

Hitzesommer 2026, Nr. soundsoviel

 Sonnenaufgangsvariante Nr. 55.111.677.899: Lachs in Blau-Grau-Moll.

Des Tages drohender Zeigefinger ist die Zustandsgröße Temperatur.

Alle kuschen.


Es ist zu heiß. Ein Flamingo stürzt und bricht sich ein Knöchelgelenk.

Der Welt Wälder brennen, die Klimawarner haben verloren. Wirklich?

Schein, Sonne! Schein!


Kalt sind die Nächte vor Klimageräten. Sonst nicht. Tropisch stechen Mücken.

Kopfhöhlen beschlagen. Nacken schmerzen. Wenn das mal kein Fieber wird.

Sommergeruch? Frisch gemähtes Gras? Schwimmbadwiesen? Pommes?


Ich rieche verfaulte Zwiebeln, die muffigen Kleider an der Garderobe,

meine eigene Brühe im Nachthemd. Bin ich noch Mensch?

Es kostet Kraft, gegen die Hitze menschlich zu bleiben.

Lass uns jetzt nicht streiten, bitte.


Die Öffentlichkeit ist ein fieberschweißiges Publikum. Wofür? Für wen?

Die Landwirtschaft stellt politische Figuren als Vogelscheuchen

zwischen vertrocknete Halme. Was will sie noch vertreiben?


Kein Regen im Rinnstein, dafür staubiger Schweiß.

Schweiß in den Augen, Schweiß im Hirn, überall

Schweiß Schweiß Schweiß.


Himbeeren: verreckt.

Brombeeren: können nicht mehr.

Steinpilze: haben die Schnauze voll.

Schiffe: stecken im Schlick fest, das Wasser hat sich verpisst.

Wer bringt mir jetzt meine Bananen, keucht einer.


Wenn wir hier heil durchkommen, Schatzi,

spendiere ich dir im Herbst

eine unbelegte Pizza.

Das Fragezeichen im Spiel

 Ich habe es geschafft, noch nie mit Stäbchen zu essen.

Ich habe es geschafft, noch nie Sushi zu probieren.

Zum Mond bin ich auch noch nicht geflogen.

Das letzte Mal am Meer war ich vor zwanzig Jahren.


Ich habe es geschafft, Mitte sechzig zu werden,

ohne ein Verbrechen zu begehen.

Meine Rente ist dreiziffrig, aber immerhin überhaupt.

Was mein Gehirn mir so alles visionär vordusselte, was

man so erreichen könnte, gilt als abgehakt.

Selbst fühle ich mich verwirklicht.

Stell dir vor.


Groß raus wollte ich nie kommen. Ich bin oft müde.

Mein Körper ist das Fragezeichen im Spiel.

Geistig geht rund um die Uhr, wenn der Tag mich lässt.

Druckt eines einen Text von mir öffentlich ab,

freue ich mich: freudige Freude, pur.

Das genügt mir schon. Danke.


Mir ist dauerbewusst, dass ich eines Tages nicht mehr hier bin.

Das nagt und bohrt hin und wieder,

schwimmt in jeder Zelle: und wie man es heute sichtbar machen kann.

Zu gerne hätte ich noch ein paar Jahrhunderte gesehen;

was aus den Nachgeborenen wird,

wie Das-mit-dem-Klima weitergeht,

was Regierenden noch alles an Blödsinn einfällt,

wie arm die Armut noch werden muss, bis sie an die Waffen geht.


Manchmal allerdings denke ich, wenn Schmerzen aller Gattungen

kaum noch zu verschmerzen sind: besser nicht.

Körper, du windschiefes Fragezeichen im Spiel.




In meinen Himmel kommst du nur mit einem roten Seidenhut

  In meinen Himmel kommst du nur mit einem roten Seidenhut . Mit Gitarrensoli von Prince impfe ich mich gegen den Tag. Eine versucht, de...