Samstag, 1. August 2026

Das Fragezeichen im Spiel

 Ich habe es geschafft, noch nie mit Stäbchen zu essen.

Ich habe es geschafft, noch nie Sushi zu probieren.

Zum Mond bin ich auch noch nicht geflogen.

Das letzte Mal am Meer war ich vor zwanzig Jahren.


Ich habe es geschafft, Mitte sechzig zu werden,

ohne ein Verbrechen zu begehen.

Meine Rente ist dreiziffrig, aber immerhin überhaupt.

Was mein Gehirn mir so alles visionär vordusselte, was

man so erreichen könnte, gilt als abgehakt.

Selbst fühle ich mich verwirklicht.

Stell dir vor.


Groß raus wollte ich nie kommen. Ich bin oft müde.

Mein Körper ist das Fragezeichen im Spiel.

Geistig geht rund um die Uhr, wenn der Tag mich lässt.

Druckt eines einen Text von mir öffentlich ab,

freue ich mich: freudige Freude, pur.

Das genügt mir schon. Danke.


Mir ist dauerbewusst, dass ich eines Tages nicht mehr hier bin.

Das nagt und bohrt hin und wieder,

schwimmt in jeder Zelle: und wie man es heute sichtbar machen kann.

Zu gerne hätte ich noch ein paar Jahrhunderte gesehen;

was aus den Nachgeborenen wird,

wie Das-mit-dem-Klima weitergeht,

was Regierenden noch alles an Blödsinn einfällt,

wie arm die Armut noch werden muss, bis sie an die Waffen geht.


Manchmal allerdings denke ich, wenn Schmerzen aller Gattungen

kaum noch zu verschmerzen sind: besser nicht.

Körper, du windschiefes Fragezeichen im Spiel.




Freitag, 3. Juli 2026

Aufzeichnungen von den ausgefransten Rändern der Tage

Aufzeichnungen von den ausgefransten Rändern der Tage erscheint am 19.7.2026 in zwei Varianten:


1. Taschenbuch 86 Seiten für 9 €

Titel: Aufzeichnungen von den ausgefransten Rändern der Tage

Untertitel: 49 bellessgeschlyrische Stücke in Buchstaben


2. Hardcover DIN A4 88 Seiten für 30 €

Titel: Aufzeichnungen von den ausgefransten Rändern der Tage DLX

Untertitel: 49 bellessgeschlyrische Stücke in Buchstaben seitenzahllos


Wieso das? In 2. sind die Zeilenumbrüche in Caladea 12 (Haupttexte) naturbelassen, weil ich original in A4-Datei verfasse. In 1. sind sie (Caladea 10 in den Haupttexten) öfter gebrochen, was ich eigentlich nicht so mag, jedoch zu Gunsten eines niedrigeren Verkaufspreises und um die Schrift nicht weiter zu verkleinern tat.


In 1. gibt es Seitenzahlen, in 2. aus ästhetisch gewollter Motivation heraus nicht. Beide Varianten sind selbst ediert bei Books on Demand.


Möge es pläsieren und erfüllen.

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Inhalt


Vom kalten Apfelkeller

Das Wetter ist ein großes, graues Auge.

Statusmeldung am Zwölften Ersten Zwanzig Fünfundzwanzig

Wochenendliebe

Ein halbes Liebesgedicht

Im Museum

Herzlichen Glückwunsch Frühling

Frühling in den Blechkisten

Maischwangere Duftfeuchtigkeit X Baudelaire’sche Charognessa

Mairübchen machen schön

Die Gurre taubt

Baumhaus

Der Besuch

Für das eine

Zwischendurch-Auswurf Nr. 167

Die schönsten Tage

rote erdbeeren

Das letzte Pfand

Die Stadt, das Gold, und die Flügel

Ausgeraubte Möglichkeiten

singen, mindestens

Glückliche Enden I

liebesgedicht

Samstag, im Freien

Kleinholz

Strümpfe stricken

Der Literat im Birkengoldoktoberohrensessel, Kordhosen anhabend

Thunfisch im Herbst

Endjahresbewegungen

winterbrandbeihilfe

Clit

Die Wichteltür

Letztes Weihnachten

Sturm einer Raunacht

Letzte Rettung Gemüsesaft

Verbrannte Tannennadeln

Kultiviert

Wellen

Verstärktes Katzenaufkommen

Quecksilber

Der Wiedehopf

Bretzel im Januar

Der Auszug aus dem Haus

Die Blinksignale des Leuchtturms

Wenn du gehen willst

Von der Feder

Gefrorene Sonne über der Aprikosenstadt

Rätsel

Es geht aus wie's ausgeht


Zugaben







Freitag, 26. Juni 2026

Die Himmel lohen

Die Himmel lohen.

Nasse Tücher sind die Nächte.

Gras brennt Sohlen.

Wasser verduftet.

Verblasst sind die roten Liebesschirme.

Von den trockenen Kehlen der Brünnchen

vor den Toren.

Der Junikäfer fällt tot auf den Gartentisch.

Wir essen gedünstet: uns.


Die Zeichen sind zu Ende.


(Spontangetippe auf Bluesky in Hitzewelle 6 2026, wollte nicht löschen.)


Dienstag, 23. Juni 2026

Ab wann ist ein Schriftstelleres ein Schriftstelleres?

Ab wann ist ein Schriftstelleres ein Schriftstelleres?


Das weiß ich Gottseidank gar nicht mehr, sofern ich es jemals wusste. Und das hier ist auch kein Essay zur Frage. Als alter Zen-Fan beantworte ich mir selbst – fruchtbarste Dialoge je – die Nicht-Frage mit einer Frage: Wer ist es, der das fragt? Ich finde die logossprengenden Fragen, die man im Zen finden kann – oder finden sie einen – dermaßen weiterführend, dass ich mir diese eine Frage jetzt einfach nochmal selbst stelle, bevor ich dem schreibenden Betrieb doch noch auf den Leim gehe. Man muss ja so aufpassen: Wer ist es, der das fragt?


Es gibt noch mehr solch komischer Fragen wie die des Titels dieses [Textes]. Warum schreibst du? Wieso liest du? Weshalb musst du ausgerechnet jetzt pissen gehen?, usw.


Eines meiner Lieblingsbücher ist das Bi-Yän-Lu, weitere die seiner Verwandtschaft. Das war jetzt extrem wie arg intim, dieses Geständnis. Wie einer meiner seinerzeitigen Stammkunden Bei-der-Versicherung mal äußerte: Da können Sie sich ja gleich ein rosa (war es rosa?) Schleifchen um den [Zen­sur: kleinen Finger] binden und [Zensur: kleiderlos] durch [beliebige Stadt] laufen. So die Richtung jedenfalls.


Natürlich lese ich auch gerne Literatur: Was ist Literatur? Wer ist es, der das fragt? Aber das Bi-Yän-Lu.


Inzwischen verruhestandet, habe ich ja endlich die Zeit (gar nicht), die man einem Rentner so nach­sagt (wer oder was ist es, der oder das hier nachsagt?). So ertappe ich mich hin und wieder dabei, wie ich interessiert in der Zeit stöbere, als ich mir überlegte, was ich mit meinem Eimer voll verfluchter Begabungen denn zukünftig anfangen solle. Dieses jugendliche Fragen hat sich zwar erledigt, weil verruhestan­det; doch gehe ich gerne, inzwischen liebevoll, in die Zeit zurück, in der ein junger Mann (ich) sich darüber zu zermartern drohte. Unterm Brennglas betrachtet, ging es bei der Frage ja auch eher dar­um: Womit wirst du dein Geld verdienen? Wollen? Müssen? Das, was ich zu wollen meinte, wurde es nie. Das, was ich dachte, niemals machen zu wollen, wurde es, und es blieb hartnäckig bis zum Ausscheiden aus dem Rat Race, Hamsterrad, wie auch immer.


Musiker? Sänger? Aktenordner? Gärtner? Bibliothekar? Hausmann? Professor? Freischaffender Künstler aller Sparten? Schreiner? Schriftsteller? Ah, da ist es wieder, das Wort. Es wurde: nach ei­nem Einstieg als Bürokaufmann: Versicherungsvermittler. Also an der Basis, bei den Kundi, am Tisch: mit Block, Bleistift, Herz und Verstand (plattitüdisierten sie in der Branche).


Daraus eine Ratgebung zu machen (mach das, was du am wenigstens meinst, machen zu wollen) oder Ähnliches, liegt mir nicht nur fern, es ist nicht meine Sache. Gefunden hat mich jeweils recht­zeitig, was mich (& Familie) trug. Das war bei mir eben so und bei jemand Anderem kann es anders sein.


Und natürlich schreibe ich gerne. Und natürlich kommuniziere ich gerne. Und natürlich mache ich gerne Bücher en papier, am liebsten selbst. Was ich nicht gerne mache: vorlesen, vorsingen, thea­tern, diskutieren, womöglich noch vor laufender Kamera, bäh. Ich kann meine Stimme selbst nicht hören und weiß, dass es mir zu stressig, zu lebensgefähr­lich ist, auf einer Bühne den Kasper zu machen, womöglich zu einer Uhrzeit, zu der ich, meinem Biorhythmus gehorchend, schon längst seit Stunden genüsslich schnarche. Und davon mal abgesehen: zu einem Konzert morgens um halb fünf, wer würde da hin wollen außer dem Rotschwanz, der Amsel?


Und wenn du mich fragst (wer ist es, der das fragt?): ich kann nicht beantworten, was ich lieber schreibe: ein Gedicht, eine kurze, erfundene Geschichte oder eine berechtigte Vorstandsbeschwerde an eine Firma, Krankenkasse, Versicherung, Bürgermeisteramt usw.


So. Genug des Zwischenaufstands in einer tropischen Juninacht. Jetzt wieder ab auf die verschwitz­te Pritsche.




Freitag, 19. Juni 2026

Was man so alles hinterlassen könnte

 Beizeiten sollst du vorsorgen, sagen sie.

Und woran man so alles denken muss.


Bestenfalls zahlt man den Notar fürs Testament,

verfügt vor allem Löschungen im Netz, dem elenden.


Schick sind Schraubensets, mindestens tausendteilig, für die Sprösslinge;

an denen werden sie noch länger haben als an dir. Dübel, Dichtungen, Nägel

gehen auch. Werkzeug allgemein ist gut: «Die Zange hat mir damals … weißt du noch?

Und noch immer kein Rost.»


Ein paar Liebesgedichte mit Widmungen, aber nur mit Für F. anstatt mit vollen

Vornamen; Massenschlägereien am Grab gilt es im Vorfeld zu vermeiden.

Und unbedingt postulieren, es sei alles Fiktion, auch wenn es gelogen ist.

Die Nachwelt glaubt eh nur, was sie glauben will, und wird dies so äußern.


Gute Taten im Allgemeinen sind gut; oft sind diese geknüpft an Geldgaben.

«Er hatte notfalls immer einen Hunderter für mich übrig.» So etwa.


Einem Kleinkind eine quersteckende Fischgräte mit bloßem Finger aus dem Hals ziehen.

Das andere fieberkrampfend mit Tempo zweihundert nachts in die Klinik rasen.

Eben: da sein, wenn es drauf ankommt. Huch, ich bin in die Gegenwart gerutscht.

Naja, bin ja auch noch da. Vergisst man schnell mal.


Eine Bibliothek mit Büchern voller Markierungen und Zettel: liest garantiert niemand mehr.

Wen sollte interessieren, was ich am zehnten Mai zweitausendelf gedacht habe?

Ein paar Gitarren. Eine Mundharmonika. Einige Kaffeebecher mit schicken Motiven.

Die Rabattkarten der Märkte. Das Sparbuch mit der Summe für die Beerdigung.


Ein in den Schnee getrampeltes Herz.


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veröffentlicht (anonymisiert ausgewählt) in DUM - Das ultimative Magazin Nr. 117 Winken
https://www.dum.at/hefte/heft117.php?nav=aus

in Papierbuch kaufbar; entweder dieses (DIN A4 mit Original-Zeilenumbrüchen, Hardcover, Preis hoch)
https://buchhandel.de/buch/Gestern-Nacht-flog-ich-bei-klarem-Himmel-mit-den-Kranichen-zu-den-Sternen-9783769303063

oder dieses Taschenbuch (Taschenbuchformat, Softcover, Preis niedrig, mehr Umbrüche)
https://buchhandel.de/buch/Kraniche-Sterne-Taschenbuchausgabe-9783695187881

Bücher, Blogs, Bananenbeine

Aktuell teste ich für mich privat Blogs, suchend, was passt. In der Zwischenzeit dürft Ihr gerne meine Bücher bestellen. Der Link führt auf mein altes Blog bei Wordpress.

https://wildkatzeundpfirsich.wordpress.com/2023/05/07/bucher-aus-der-feder-von-wildkatze-und-pfirsich/

Für regelmäßige Skeets bitte hier entlang: https://bsky.app/profile/buecherkritzler.bsky.social

Spiralblock

 

Diese Worte schreibe ich nur

damit auf diesem Block mit der

viel zu dicken Metallspirale

ein Blatt weniger drauf ist

und er schneller leer wird.

Ich kann ihn nicht mehr sehen!


Wegwerfen indes möchte ich ihn

aber nicht, das wäre Verrat

an der Nachwelt.


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Abgedruckt in den best german underground lyriks 2004, Acheron Verlag

In meinen Himmel kommst du nur mit einem roten Seidenhut

  In meinen Himmel kommst du nur mit einem roten Seidenhut . Mit Gitarrensoli von Prince impfe ich mich gegen den Tag. Eine versucht, de...